Emmental Workshop 2020

Meine Liebe zum Emmental ist etwas zweigespalten. Als ich mit meinen Eltern in den 70er Jahren und frühen 80er Jahren des letzten Jahrhunderts – man ist das lange her – praktisch jedes Wochenende oder sicher jedes zweite Wochenende im Emmental war bei meinen Verwandten, oder während meiner Schulzeit auch meine Ferien verbrachte, war für mich das Emmental eine Gegend die zurückgeblieben war. Ja so dachte ich damals. Ich spielte unterhalb der Rämisgummewiese in den Gräben und Bächen in der Nähe von Eggiwil, an den steilen Hängen und lernte so eigentlich viel von dieser Landschaft kennen. Nur nahm ich dies damals nicht wahr. Heute gute 40 Jahre später sehe ich das anders – das Emmental ist nicht zurückgeblieben, aber es hat den Charme behalten was diese Landschaft ausmacht. Natürlich sind die Bauern auch fortschrittlicher geworden – nahmen wir vor 40 Jahren das Heu noch mit den Rechen zusammen, wird es auch heute an den steilen Hängen maschinell gemacht. Damals wurde das Heu noch auf Heinzen gedörrt und die scheussliche Plastik verpackten Heuballen hat man in der Landschaft noch nirgends gesehen. Ich würde mir heute das so sehr wünschen, einen solchen Anblick zu sehen und fotografieren zu können.

Emmental-Landschafts-Fotografie-Workshop

Erst in den letzten 10 Jahren als ich mich an die Tage meiner Kindheit und die Besuche im Emmental erinnerte, als ich neue Landschaften suchte in der Schweiz zum Fotografieren, besinnte ich mich an meine Erlebnisse von damals und das Emmental zurück und begann damit es für mich neu zu entdecken. Schon bei meinen ersten Besuchen als Fotograf, kam in mir die Idee, dass es sich gut eignen würde für einen Landschafts-Fotografie Workshop. Doch es dauerte wiederum Jahre bis die Idee geboren war und erst durch meinen Lightexplorers-Foto-Kollege Jan Geerk wurde es dann in die Realität umgesetzt. Die Basis setzten wir uns aber in den vergangenen Jahren als wir, Jan sowie ich, immer wieder im Emmental unterwegs waren. Natürlich waren wir dann, als wir wussten, dass wir dort einen Workshop durchführen wollen, sehr intensiv unterwegs und fanden die eine oder andere neue Perle dieser für mich fotografischen sehr schönen Landschaft. Eines wurde mir schnell bewusst: das Emmental ist Tele-Zoom Gebiet. Natürlich kann man mit dem Weitwinkel auch gute und ansprechende Fotos machen, doch will man die Schönheit und die typische Emmentaler Landschaft festhalten, kommt man um ein Tele-Zoom Objektiv nicht herum.

Emmental Workshop Lightexplorers

Gerade dies machten wir an unserem ersten Workshop im Emmental zum Thema. Wir wollten den Teilnehmer zeigen wie man eine Landschaft mit Tele-Zoom ansprechend fotografieren kann, auf was man achten muss und lernen entsprechend zu sehen. Aber jetzt alles der Reihe nach. Treffpunkt war schon morgens um 5 Uhr in der Früh auf der Lueg. Ein idealer Spot um einen Emmental-Workshop zu beginnen. Vorallem um diese Jahreszeit, wo die Tage sehr lang sind. Die Lueg ist für jeden relativ schnell und einfach erreichbar. Wir, dass heisst, Jan Geerk, Adrian Wirz und ich übernachteten in unseren Autos auf der Lueg, so konnten wir uns am morgen die anfahrt sparen. Adrian und ich in unseren Autos und Jan in seinem VW Bus Camper. Jan bekochte uns am Abend noch mit seinen Kochkünsten und zauberte feine Nudeln, Tomatensauce und Käse. Einfach aber gut.

Emmental Workshop - Vorabend

Am anderen Morgen, dem Workshoptag, war Tagwache um 4 Uhr morgens und dann gabs ein feines leckeres Frühstück und Kaffee aus Jan’s Camper Küche. Kurz nach 4.30 trödelten auch schon die ersten Teilnehmer ein und der Workshop konnte beginnen. Leider wollten sich die Hochalpen an diesem Morgen nicht so richtig zeigen – aber damit mussten wir um diese Jahreszeit (Ende Mai/Anfang Juni) schon rechnen. Doch das Wetter schien sonst vielversprechend zu werden. Nicht nur blauer Himmel, sondern auch etwas Wolken mit etwas Regen. Obwohl wir keine Alpensicht hatten, hatten wir schönes Licht an diesem Morgen und jeder konnte sicher das eine oder andere gute Bild machen.

Emmental Workshop 2020

Danach ging es weiter zu unserem nächsten Spot. Dor hatten wir ein paar Emmental-Typische Landschaften auf dem Programm und das Licht passte dort auch noch recht gut. Ein einsamer Baum auf einem Hügel und die Sicht in die Hügel und Täler des Emmentals im Morgenlicht. Anschliessend ging es zum Morgenkaffee auf eine typische Emmentaleralp mit Sicht auf die Schrattenfluh, Hohgant und natürlich die Berner Hochalpen – aber eben, die Sicht auf die Alpen wurde uns an diesem Tag verwehrt. Aber man hatte immer die Schrattenfluh und den Hohgant in Sicht und diese wirkten ohne Alpen einmal ganz anders. Ihnen war an diesem Tag das Hauptaugenmerk gegönnt – wo sie doch normalerweise immer im Schatten der majestätischen Berner Alpen sind. Auch dort hatten die Teilnehmer verschiedene Möglichkeiten die Landschaften des Emmentals zu fotografieren.

Morgenkaffee am Emmental-Workshop

Etwas abseits lag der nächste Spot, wo wir ebenfalls wieder in einer Alpwirtschaft das Mittagessen zu uns nahmen. Das Sujet war nur wenige Gehminuten von der Alpwirtschaft entfernt und so konnten wir beides gut miteinander kombinieren. Nachdem wir uns wieder gestärkt hatten, ging es weiter an das andere Ende des Emmentals. Wir teilten die Gruppen erneut auf und ein Teil ging zu einem typischen Emmentaler Bauernhaus und die andere Gruppe besuchte eine die für das Emmental typischen Holzbrücken.

Emmental Workshop mit den Lightexplorers

Holzbrücke im Emmental

Das oben gezeigte Bild wurde nicht am Workshop umgesetzt. Es entstand bei gewünschten Bedingungen für mein Vorhaben. Danach ging es weiter zu einem Juwel - viele mögen sagen, es gehöre nicht mehr dem Emmental – für mich gehört es dazu – ein wunderschön gelegenes Hochmoor, welches man Anfang der 1980er Jahre renaturierte – zumindest hat mir das ein Bauer so erzählt, der dort das anliegende Land bewirtschaftet. Dort blühen Ende Mai/Anfang Juni immer die Schwertlilien und somit natürlich grad passend für unseren Workshop. Mit dem neu angelegten Wanderweg ist es jetzt sehr gut möglich, von den Wanderwegen aus zu fotografieren ohne dass man ins Moor rauslaufen muss. Wir sehen es auch als unsere Aufgabe, unsere Teilnehmer für solche Landschaften und Naturschutzgebiete zu sensibilisieren. Auch dort hatten wir relativ Wetterglück mit mächtigen Wolken am Himmel und die Sonne welche die Landschaft ab und zu wieder ausleuchtete. So konnten wir dort sicher dramatische Stimmungen fotografieren.

Lightexplorers Emmental Workshop

Die Zeit geht an so einem Workshop sehr schnell vorbei und schon war es Zeit sich auf den Weg zu machen zu unseren Abendspots, welchen wir den Namen «Kantlichtspots» gaben. Gerade wieder zum richtigen Zeitpunkt zogen die Wolken über dem Mittelland weg und machten der Sonne Platz. Gerade perfekt, um schönes Kantlicht zu fotografieren.

Lightexplorers Emmental Workshop

Bei unserem letzten Spot auf der Lüderenalp hatten wir Rundumsicht – doch leider war die Sicht auf die Berner Alpen immer noch nicht vorhanden. Doch das Abendlicht und die dunklen Wolken im Hintergrund Richtung Bergen verzauberte die Landschaft in schönstes Licht und betonte die Schrattenfluh und den Hohgant, welche von der Sonne angeleuchtet wurden. Alles in allem ein perfekter Tag für die Teilnehmer und für uns – und obwohl wir die Berner Alpen nie sahen, konnten wir den Teilnehmer hoffentlich zeigen, was das Emmental für Möglichkeiten bietet, auch ohne Alpensicht und gerade auch deshalb uns neue Bilder und Ansichten bescherte.

Emmental Landschaftsfotografie Workshop

121 Ansichten