Nebelfotografie

Es ist jetzt schon Mitte November und wir stehen mitten im Herbst. Das letzte Laub fällt von den Bäumen und die Lärchen haben ihren Höhepunkt auch schon überschritten. Der erste Schnee ist in den höheren Lagen schon gefallen. So zu sagen, die schönste Jahreszeit für uns Landschaftsfotografen neigt sich dem Ende zu. Aber die Nebelsaison ist im vollen Gange. Wenn die kältere Jahreszeit beginnt, bringt diese auch ein unbeliebtes Wetterphänomen mit sich: der Nebel. Doch was heisst hier unbeliebt! Ich liebe den Nebel. Viele können das nicht verstehen, dass man den Nebel lieben kann. Vor allem hier am Jurasüdfuss, wo ich lebe, schütteln viele Leute nur den Kopf, wenn man Ihnen sagt, dass man den Nebel liebt. Wenn man Ihnen dann aber die Gründe aufzählt und Bilder vom Nebelmeer zeigt, können Sie meine Begeisterung zumindest verstehen. Dennoch drückt der Nebel vielen häufig aufs Gemüt, besonders dann, wenn man sich unterhalb dieser seltsamen Wolkendecke befinden, die am Boden aufliegt.

Nebelstimmung in den Dolomiten

In der kalten Jahreszeit gibt es öfters Hochdrucklagen – aber von denen merkt man bei uns in den tieferen Lagen, resp. dem schweizerischen Mittelland zwischen Genfersee und dem Bodensee im grauen Einerlei nicht viel. Umso mehr ist man manchmal überrascht, wenn man aus der Kälte, düsteren und grauen Stimmung in den Niederungen in die Höhe kommt und plötzlich aus dem Nebelmeer auftaucht und in eine komplett andere Welt hineinkommt mit schönem herrlichem Wetter. Unten grau – Oben blau. Über dem Nebel bietet uns aber diese Wetterlage ein fantastisches Bild.

Mondaufgang über dem Grenchenberg

Wenn der Nebel je nach Ort die richtige Höhe hat, schlagen die Wellen des wolkenartigen Meeres an die Hügel, wie an der Brandung des Meeres und einige Hügel oder Berge ragen wie Insel aus der Nebelsuppe heraus.

Ich schätze mich glücklich hier am Jurasüdfuss leben zu dürfen – obwohl viele immer sagen, es sei ein Nebelloch. Doch innerhalb wenigen Autominuten ist man dem Nebel entflohen und man kann die warmen Sonnenstrahlen geniessen und einen Atemberaubenden Blick auf das Nebelmeer bestaunen – oder eben fotografieren.

Emmental-Schweiz

Aufgewachsen am Jurasüdfuss, war der Nebel schon mein ganzes Leben lang mein treuer Begleiter in der kalten Jahreszeit. Und als Fotograf lernte ich diesen dann auch zu lieben. Solange ich fotografiere, fotografierte ich schon immer gerne Nebelstimmungen, aber ein ganz bestimmtes Bild brachte mich vor über 10 Jahren auf eine ganz neue Idee. Es war ein Bild von Ian Plant vom Great Smoky National Park in den USA. Ian Plant fotografierte eine Nebelwelle mit eine Langzeitbelichtung während der Dämmerung abends – das Bild war einfach fantastisch. Damals dachte ich, dass will ich auch umsetzen im Schweizer Jura und ging auf die Suche für einen passenden Spot, welcher ich dann auch schnell mal fand: die Belchenregion und einige Spots im Solothurner Jura. Adrian Wirz, welchen ich kurz darauf kennenlernte, bestätigte mir, dass es hier die Nebelwelle gibt. Es dauerte aber dann noch einen Moment, bis ich mein erstes Nebelwellenbild fotografierte.

Nebelwelle am Belchen

Nebel vereinfacht eine Bildkomposition indem es störende Elemente eliminieren, die ein Bild überladen wirken lassen können. Auch verleiht Nebel einem Bild ein geheimnisvolles und faszinierendes Flair.

Doch wie fotografiere ich Nebel, damit ich die Stimmung auf den Sensor bannen kann. Nachfolgend einige Tipps, damit Dir deine Nebelbilder bestimmt gelingen.

Wann ist die beste Tageszeit Nebel zu fotografieren. Nun, im Nebel und in Nebelrandzonen kann man den ganzen Tag fotografieren. Man hat die ganze Zeit über diffuses Licht, vor allem an der Nebelgrenze lassen sich stimmungsvolle aufnahmen gestalten. Ansonsten sind die besten Tageszeiten, um Nebel zu fotografieren früh morgens oder abends.

Welches Equipment benötige ich dazu?

Nebelstimmung im Schweizer Jura

Wenn Ihr mehr machen möchtet ausser einem simplen Schnappschuss, empfehle ich Euch ein gutes und stabiles Stativ zu verwenden. Oft ist das Licht im Nebel relativ schwach, während den Morgen- und Abendstunden braucht man unter Umständen eine längere Belichtungszeit, oder man möchte einen bestimmten Effekt erzielen und arbeitet mit Graufilter um die Belichtungszeit zu verlängern – damit man in all diesen Situationen kein unscharfes Bild durch verwackeln kriegt, empfehle ich ein Stativ. Ein Stativ hat noch einen weiteren Vorteil: man nimmt sich bewusst Zeit ein Bild zu komponieren. Ausserdem eliminiert Ihr die Gefahr von Verwacklungsunschärfe, indem Ihr einen Fernauslöser verwendet. Auch solltet Ihr das Haus niemals ohne trockene Tücher verlassen. Trockene Tücher gehören ohnehin zur Standardausrüstung in jeden Fotorucksack. Ich empfehle Euch anstatt, Microfasertücher, Hirschleder zu kaufen, das dieses auch bei mehrmaligem Gebrauch sauber wischt und nicht schmiert wie ein Microfasertuch.

Nebelschwaden an der Wandfluh

Die grösste Hürde, wenn man Nebel fotografieren will, ist wahrscheinlich die korrekte Belichtung. Wenn man Nebel fotografiert, sollte man unbedingt das Histogramm kontrollieren und die Belichtung entsprechend anpassen. Kameras neigen dazu, ein Bild im Nebel zu unterbelichten. Aus diesem Grunde fotografiere ich bei Nebel häufig mit einer Belichtungskorrektur von +1. Ebenfalls kann der Weissabgleich eine Rolle spielen – ich habe zwar den Weissabgleich häufig auf Automatik eingestellt, da man den Weissabgleich immer noch bei der Nachbearbeitung entsprechend seinem persönlichen Geschmack einstellen kann. Doch experimentiere ich auch manchmal mit dem Weissableich bei der Aufnahme einwenig. Bei 4000 Kelvin hat der Nebel den kühlen blauen Farbton, der ein Gefühl für die Kälte vermittelt. Im Gegenteil können Sie mit einem Weissabgleich von 6000 Kelvin die Wärme eines Bildes verstärken, falls Sie das wünschen. Ausserdem füge ich nebligen Bildern bei der Nachbearbeitung nicht viel Kontrast hinzu, da das Foto sonst, umso weniger Nebel haben wird, je mehr Kontrast man hinzufügt – somit würde man auch die ganze Nebelstimmung verlieren.

Nebelstimmung im Solothurner Jura

Besondere Aufmerksamkeit gebe ich in der Nebelfotografie der Belichtungszeit. Wenn der Nebel nur eine dicke Suppe ist, verwende ich entweder eine grössere Blende oder einen grösseren Iso-Wert, um die Verschlusszeit zu kürzen. Je länger der Verschluss geöffnet bleibt, desto dicker erscheint der Nebel auf dem Bild. Wenn ich mitten im Nebel fotografiere, ist mir die Schärfentiefe eines Bildes weniger wichtig, das heisst, ich mache mir keine grossen Gedanken darüber, da der Nebel die Objekte in der Ferne sowieso verhüllt und evtl. nur erahnen lässt. Falls der Nebel für einmal zu wenig stark ist, ich aber dem Betrachter meines Bildes die Illusion vermitteln möchte von dichtem Nebel, wähle ich einfach eine längere Belichtungszeit. Das erreiche ich entweder mit einem Graufilter, wähle eine kleinere Blende oder einen kleineren Iso-Wert falls dies noch möglich ist. Je nach Situation wähle ich die eine oder andere Option.

Ankenballen/Baselland

Bei wabernden Nebelschwaden experimentiere ich gerne mit verschiedenen längeren Belichtungszeiten. Je nach Belichtungszeit ergeben sich da tolle Effekte. Die Nebelwelle fotografiere ich auch am liebsten mit einer längeren Belichtungszeit. Je nach Lichtsituation verwende ich dafür einen Graufilter – aber in der Dämmerung braucht es meistens gar keine Filter dafür – höchsten einen Verlaufsfilter, um das hellere Licht im Himmel mit dem dunkleren Vordergrund auszugleichen. Mit der Zeit weiss man ungefähr, welche Belichtungszeiten zu welchen Effekten führen. Eine zu lange Belichtungszeit ist aber für die Nebelwelle auch nicht empfehlenswert, da der Nebel sonst die Struktur verliert.

Winter im Schweizer Jura

Experimentiert ruhig mit der Belichtungszeit in der Nebelfotografie und je nach dem, wie lange man belichtet, kriegt das Bild eine ganz andere Aussage.

Die Nebelfotografie verlangt Geduld. Es kann durchaus sein, dass der Nebel für dein Vorhaben viel zu tief ist, oder viel zu hoch. Dann heisst es warten oder umdisponieren. Man weiss im Vorfeld eigentlich nie so genau was einem im Nebel erwartet. Aber genau das kann auch das spannende daran sein. Ich freue mich auf die kommende Nebelsaison und hoffe das eine oder andere Nebelmotiv umsetzen zu können.

Blick auf den Ankenballen und das Nebelmeer

Cinque Torri/Dolomiten

Creux du Van/Neuenburger Jura


Cadini di Misurina - Dolomiten

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