The Rock - Die persönliche Ankenballen Story

Aktualisiert: Sept 27

Nein, es geht hier nicht um Dwayne Johnson, genannt "The Rock". Es handelt sich hierbei um einen Felsen in der Nordwestschweiz, welcher mittlerweile neben dem Matterhorn, vielleicht der meistfotografierte Fels in der Schweiz ist. Wobei ich hier jetzt auch nicht die Geschichte des Ankenballens erzählen möchte. Dieser markante Felsen hat aber viel zu tun mit meiner Fotografie der letzten Jahre. Somit natürlich auch mit den Lightexplorers. 10 Jahre ist es her als ich dieses Motiv das erste Mal fotografierte. Damals war ich auf der Suche nach Wellenspots, inspiriert durch ein Bild von Ian Plant vom Smokey Mountain Nat’l Park. Ich wollte unbedingt so ein ähnliches Bild haben. Nun, der Rest ist Geschichte.

Im Nachhinein denke ich oft, es hat alles so kommen müssen und irgendwie war das damals, unbewusst natürlich, der Urursprung der Lightexplorers (möchte hier noch erwähnen dass ich nicht derjenige war, der die Idee hatte, was schlussendlich zu den Lightexplorers führte). Zu dieser Zeit vor 10 Jahre war ich oft allein unterwegs. Ohne Ankenballen und Belchenfluh würde es wahrscheinlich heute die Lightexplorers nicht geben. Zumindest nicht in dieser Form. Aber alles der Reihe nach. Was ich damals nicht wusste, ich bewegte mich in einem fremden «Revier». Bis zum Sommer 2012. Ich parkte mein Auto an der Bergstrasse vom Kilchzimmersattel, als sich plötzlich einer neben mich stellte und fragte «Fotografierst du die Belchenfluh?». Ich weiss nicht was er über mich dachte, doch bin ich immer etwas zurückhaltend, wenn jemand fremdes zu mir kommt, wenn ich fotografiere. Doch irgendwie schaffte er es mich in ein Gespräch zu verwickeln und tatsächlich machten wir kurze Zeit später einen ersten gemeinsamen Foto-Kurz Trip in der Belchen Region.

Aus diesem zufälligen Aufeinandertreffen wurde dann eine Freundschaft und wir waren in den folgenden Jahren immer und immer wieder in der Belchen-Region unterwegs. Ich glaub, es war fast unser Wochenend-Ritual: Samstagmorgen Belchenfluh oder Ankenballen. Oder wir klapperten andere Spots ab. Besonders im Herbst und Winter. Im Sommer war ich weiterhin allein in den Schweizerbergen unterwegs, bis dann Adrian auch immer öfters «sein Wohnzimmer» verliess. Was könnten wir für Geschichte erzählen über die Anfänge am Belchen. Unvergessliche Erlebnisse, stundenlanges Warten im Nebel, durch Hüfthohen Schnee stampfen – stellt euch das mal vor – damals noch nicht Top-Ausgerüstet. In Jeans, Gamaschen und einfachen Schuhen ging's bei Minus Temperaturen und hohem Schnee auf die Belchenfluh. Wir kletterten über umgekippte Tannen, kämpften uns durch den Schnee oder irrten durch den Nebel auf den Ankenballen. Und obwohl ich damals auch schon fast 20 Jahre hobbymässig fotografierte, war ich minimal ausgerüstet. Waren das schöne Zeiten. Und wir waren fast alleine dort – auf der Fluh traf man höchstens ein paar «Sonnenhungrige», die aus der Nebelsuppe des Mittellandes die Sonne suchten und einen Sonnenaufgang erleben wollten. Wir waren weit und breit die einzigen Fotografen.

Es waren spannende Jahre und im Jahr 2014 hatten wir die Idee, zusammen den ersten Belchen-Workshop durchzuführen. Höhepunkt die Nebelwelle und der Ankenballen. Wir waren wie auf Nadeln, die Tage vor dem Workshop – da man nie genau weiss, wie es mit dem Nebel aussieht. Doch perfekter hätte der erste Workshop gar nicht sein können. Wir waren innert kürzester Zeit ausgebucht und die Wetterbedingungen hätten am Workshoptag auch nicht besser sein können. Ich weiss nicht mehr, wie viele Workshops wir dort inzwischen gegeben haben, aber jeder Workshop hat seine eigene Geschichte. In guter Erinnerung bleiben mir noch die zwei Winter Workshops am Belchen. Nicht etwa, weil diese von den Bedingungen her perfekt gewesen wären, sondern weil sie aussergewöhnlich waren. Beim ersten mussten wir den Winter suchen gehen und beim zweiten wurden wir regelrecht eingeschneit. Wir konnten nicht einmal mehr ganz hochfahren. Auf dem Sattel oben mussten wir auf allen vieren gehen, damit wir nicht im Schnee versanken. Nach den Belchen Workshops kamen dann die Baselbieter Workshops und so expandierten wir weiter. Ja und dann kamen die Geister, die wir riefen: der Belchen wurde zum Hot Spot. Hätten wir gewusst, was wir mit unseren Bildern und Workshops auslösten, vielleicht hätten wir ein paar Sachen anders gemacht. Doch schlussendlich haben wir dem Belchen viel zu verdanken.

Noch vor den Lightexplorers organisierten Adrian und ich unseren ersten Ausland Workshop: Hohenzollern. Unser erster Workshop abseits unserer Heimat, die wir wie unsere Hosentasche kannten. Auch dieser Workshop war toll und hat uns motiviert weiter zu machen. Doch wir mussten auch Dämpfer entgegennehmen. Es ist jetzt auch nicht so, dass alles nur heile Welt war. So wie der Ankenballen sind auch wir dem Leben und den Stürmen ausgesetzt. So hatten auch wir unsere Hochs und Tiefs. Doch aus jedem Sturm kamen wir wieder gestärkt heraus. Unsere Erlebnisse schweissten uns, so glaube ich, auch zusammen. Ich erinnere mich an das Gewitter am Creux du Van, wo wir über 2 Stunden oder noch länger den Naturgewalten hilflos ausgesetzt waren. Wir lagen unter der Zeltblache flach am Boden und hofften einfach nur, der Blitz werde uns nicht treffen und schon schlug wieder einer in unmittelbarer Nähe ein. Es roch nach Verbranntem, es regnete in Strömen und es war dunkel.

Oder diesen Winterabend auf der Stallfluh, wo wir durch kniehohen Schnee stampften und im dichten Nebel keine Orientierung mehr hatten in welche Richtung wir liefen. Wir konnten uns nur an einem Zaun orientieren. Da dachte ich auch, es war nur noch Glück, dass wir am Schluss ohne weiteres zum Auto zurückfanden. Ich glaube, keiner von uns beiden, vergisst die erste Wanderung zu den Drei Zinnen. Mit Zelt und voller Ausrüstung. Normalerweise eine leichte Wanderung – aber nicht wenn man die falsche Abzweigung nimmt und von 2500 Metern wieder ins Tal runter wandert und auf der anderen Talseite dasselbe wieder hochwandern muss. Das mitten in der Sommerhitze. Ich glaube, da hat mich Adrian einige Male verflucht. Auch die Wanderung zurück vom Männlichen im Berner Oberland als plötzlich Nebel aufkam und die Sicht gleich null war: Adrian war vernünftig und wollte noch vor dem besten Licht zurückwandern. Und ich hatte nur das perfekte Bild im Kopf. Ja, es sah schon vielversprechend aus, dort an der Nebelgrenze. Doch als ich plötzlich so alleine dort oben stand und keine Orientierung mehr hatte, wurde mir schon mulmig. Ich hatte mich ja schon einmal am Ankenballen verwirrt als ich an einem Herbstabend alleine auf dem Grossen Ankenballen war, Nebel aufzog und ich nach Sonnenuntergang zurück zum Auto gehen wollte. Plötzlich stand ich einfach auf einem Felsvorsprung in einer Felswand. Ich hatte keine Ahnung mehr, wo ich gerade war und wie ich da wieder heil runterkommen würde.

Ein andermal hing mein Stativ nach einem kräftigen Windstoss, mit Kamera in der Wandfluh und Adrian hielt mich an einem Bein fest, damit ich in der Wandfluh nach meinem Stativ greifen konnte, welches noch an einer Pflanze hing und so nicht ganz runter fiel. Oder der erste Morgen in den Dolomiten, wo sie uns auf dem Campingplatz eingesperrt hatten und wir nicht mehr rauskamen. Ich glaube wir könnten ein ganzes Buch füllen mit unseren Geschichten – viele lustige aber eben auch weniger amüsante. Dies alles schweisste uns sicher zusammen. Ende 2016 kam dann die Idee von einem Foto Team. Andreas Gerth hatte diese Idee und so kam er auf Adrian, Jan und mich und ein paar andere zu. Schnell hat es sich abgezeichnet, dass es Adrian, Jan, Andi und ich sein würden. So waren die Lightexplorers geboren, und so kamen weitere Abenteuer hinzu. Die Belchenwelle war mittlerweile schon Kult geworden und man sprach nicht mehr von der Belchenregion sondern vom Wirzgebirge. Mir persönlich wurde es dort langsam zu viel, was der Grund dafür war, dass ich in den letzten Jahren nicht mehr viel dort unterwegs war. Obwohl ich eigentlich meine ursprüngliche Bildidee noch nicht umsetzten konnte.

Ich habe in den letzten Jahren viele Fotografen kennen lernen dürfen, habe viele Menschen in meinem Leben getroffen, aber ich darf ganz ehrlich auch sagen, dass ich selten so einen grosszügigen Menschen traf wie Adrian. Meine beiden Lightexplorers-Kollegen Adrian und Jan haben miterlebt, wie ich in die grösste Krise meines Lebens geriet – und beide waren für mich da, liessen mir aber die Zeit und die Freiheit, die ich brauchte, um da wieder raus zu finden. Das rechne ich den beiden hoch an und schätze sie dafür umso mehr. Auch als dann unser Gründungsmitglied Andi aus familiären Gründen bei den Lightexplorers aussteigen musste, kurz nachdem ich endlich wieder aus der Krise fand – hatten wir den nächsten Rückschlag. Aber so wie der Ankenballen, kämpften wir uns da auch wieder durch und fanden mit Pia einen großartigen und gleichwertigen Ersatz für unser Team. Sie brachte neuen Schwung, neue Ideen und zusammen wachsen wir jetzt auch zu einem Team heran. Ja sogar unser «Wellenfoto» hat Pia schon fotografieren können. Ist doch für einen Lightexplorer schon fast ein «muss».

Auch wenn ich mittlerweile viel öfters an anderen Orten fotografiere als in meiner Heimat am Jurasüdfuss und am Belchen, kehre ich immer wieder gerne dorthin zurück – vor allem zum Ankenballen. Obwohl es jetzt nicht gerade ein Motiv ist, dass einem sehr viel Spielraum offen lassen würde was die Bildkomposition anbelangt. Dennoch, es ist immer wieder anders und man hofft immer auf das eine ganz spezielle Bild. So werde ich auch in den kommenden Jahren immer wieder dorthin zurückkehren und es immer wieder mal fotografieren, in der Hoffnung noch ein besseres Bild davon machen zu können.













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